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Interview mit Borja Brañanova

WANN KÖNNEN DIE KINDER NACH SPANIEN REISEN?

Leider ist das noch nicht klar, nicht einmal das inzwischen angeordnete geteilte Sorgerecht erlaubt ihnen das ausdrücklich.Spanische Diplomaten bemühen sich, aber bisher wohl mit sehr dürftigen Antworten von den Behörden der VAE. Glücklicher Weise leben die Kinder aber noch jeden Tag mit beiden Eltern, Mutter und Vater, zusammen. Viele andere Kinder haben leider gar keinen oder fast keinen Kontakt zu einem Elternteil, da das Gerichtssystem noch nicht auf dem neusten Stand ist und da das Sozialsystem auf diese Probleme nicht eingerichtet ist. Diese juristischen und praktischen Hemmnisse, die einen hinreichenden Umgang fast unmöglich machen, sind im Westen unvorstellbar, insbesondere da sie den Kindern in solchen Scheidungssituationen wirklich schaden. Das kommt daher, dass in diesem System eben nur das alleinge Sorgerecht bekannt ist und somit nur dieses angewendet wird. In einem solchen System passiert es bei einer nicht-einvernehmlichen Scheidung schnell, dass der Elternteil, der das alleinige Sorgerecht bekommen hat, die komplette Kontrolle über das Kind wahrnimmt und dabei vom System gedeckt wird. Das kann sehr negative Auswirkungen auf das Kind haben und ist wirklich nicht im besten Interesse des Kindes.

Es ist leider immer noch so, in vielen Laendern, dass die meisten Behörden sich nicht unbedingt auf das beste Interesse des Kindes konzentrieren, so wie wir es definieren. Insofern gibt es da international noch Nachbesserungsbedarf, eine vernünftige Reform steht noch aus.

HABEN SIE ÜBERLEGT, AUS DEN VAE WIEDER NACH SPANIEN ZU ZIEHEN?

Ich werde sicher in den VAE bleiben, aber ich plane sehr oft und regelmaessig nach Spanien zu reisen, sobald meine Kinder die Erlaubnis dazu haben.

Ich plane nicht, Dubai zu verlassen, da unsere Kinder beide Eltern und ihre Familien brauchen. Dubai hat sich sehr dafür eingesetzt, ein gerechtes Urteil nach internationalen Masstaeben umzusetzen. Natürlich waere es noch wünschenswert, wenn das Gerichtssystem und das Sozialsystem noch weiter entwickelt und modernisiert würden. Das sollte dazu führen, dass sich Expat-Familien noch eher ohne Angst in Gegenden niederlassen könnten, in denen bisher Familienstreitigkeiten durch die Gerichte oft noch konfrontativ nach Kriterien wie „Schuld“ behandelt werden, nicht mit der Idee, zusammenzuarbeiten, um dann ein geteiltes Sorgerecht wahrnehmen zu können.

Ich möchte den VAE und Dubai dabei helfen, noch moderner zu werden. Indem ich in Dubai bleibe, kann ich darauf hinwirken, dass dieses faire Urteil kein Einzelfall bleibt. Vielleicht führt das sogar zu grossen Aenderungen – Dubai ist ja sehr wichtig in der sogenannten MENASA Region (Mittlerer Osten, Nordafrika und Südasien). Und die gesamte spanische Südgrenze besteht ja auch MENASA-Staaten.

Unsere Politiker sollten sich mit dieser Situation befassen, so dass sie dann Schritt für Schritt das internationale Familienrecht modernisieren können.

HABEN SIE UNTERSTÜTZUNG VON DEN SPANISCHEN MEDIEN ERFAHREN?

Die Unterstützung war unglaublich: Ich habe gemerkt, wie sehr sich die Bevölkerung, die Regionen und die politischen Parteien gemeinsam dafür eingesetzt haben, dass unser Anliegen gehört wird. Ebenso haben sich Experten in Psychologie und der Entwicklung von Kindern dafür stark gemacht. Auch Juristen, inklusive Richter vom Obersten Gerichtshof, die Regionalregierung von Asturien, die nationale Regierung, Botschaften und eine grosse Anzahl von Medien haben hier ganz deutlich die Rechte von Kindern unterstützt. Zusaetzlich zu dieser Unterstützung aus Spanien haben sich noch viele Leute von ausserhalb eingesetzt, da sie sehen, dass die Ereignisse in den Emiraten tatsaechlich global von Interesse sind.

Ganz besonders möchte ich natürlich die phantastische Unterstützung durch CEMIN erwaehnen. CEMIN, die Vereinigung für die Interessen von Kindern, strengt sich wirklich an, damit in schwierigen Familiensituationen das Wohlergehen der Kinder im Mittelpunkt steht. Deshalb hat CEMIN dieses Projekt an die Stiftung der Prinzessin von Asturien herangetragen – es ist ein Beispiel von kultur-übergreifender Eintracht und Harmonie, was insbesondere wichtig ist, da verschiedene Kulturen mehr und mehr zusammenarbeiten müssen, um eine positive internationale Entwicklung sicherzustellen. Die Verdienste dieses Projektes sind vielfältig – wir haben dazu beigetragen, dass gegenseitiges Verständnis, ein Bekenntnis zu Köxistenz und friedlichem Verhalten, Widerstand gegen Ungerechtigkeiten und die Verteidigung der Freiheit zu einem guten Ergebnis geführt haben. Zusammengefasst: wir haben eine ganz neue Perspektive eröffnet.

HABEN SIE JEMALS DARAN GEDACHT AUFZUGEBEN?

Nein. Glücklicher Weise hat meine spanische und asturische Herkunft mir die Stärke gegeben, mich so für das Wohl unserer und anderer Kinder einzusetzen. Es war mir sehr wichtig, mich für die Rechte beider Eltern einzusetzen, damit es eben keine Diskriminierung irgendwelcher Art gibt.

WELCHE RATSCHLÄGE WÜRDEN SIE JEMANDEM IN EINER ÄHNLICHEN SITUATION GEBEN?

Ich bin in einer Famile grossgeworden, in der Wert auf Toleranz gelegt wurde, wo Diskriminierung vermieden wurde und Dialog gefeiert wurde. Jetzt unterstützt mich meine Familie vollkommen. Mir geht es darum, dass ich meine Kinder so erziehen kann, dass sie dieselben Werte und ethischen Vorstellungen haben, so dass ihre Entwicklung auf gar keinen Fall von irgendwelchen entfremdenden Ideen behindert wird.

Ich würde anderen dasselbe raten: Nimm Abstand von den negativen Begleiterscheinungen in schwierigen Situationen und konzentriere dich auf das Positive, damit die Kinder mit diesem so wichtigen Gefühl von Frieden und Gelassenheit aufwachsen können.

Ich arbeite mit an dem Projekt foranychildren.org. Das Projekt ist offen für jeden, der einen Beitrag leisten will, um präventiv zu wirken und um sich für Änderungen im Gerichtswesen einzusetzen, national und International – mit dem gan klaren und einzigen Ziel, die Rechte von Kindern zu schietzten. Kinder sind die Zuknft der Menschheit.